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Alarmierendes Nord-Süd-Gefälle zulasten der Jugend

EU-Sozialkommissar Laszlo Andor hat Anfang Januar den Sozial- und Beschäftigungsbericht für die Europäische Union vorgelegt – und dieser fiel erschreckend, ja geradezu dramatisch aus: Die EU zerfällt zunehmend in einen immer ärmer werdenden Süden mit Rekordarbeitslosenzahlen und einen vergleichsweise vermögenden Norden mit Regionen, in denen Vollbeschäftigung herrscht. Die Schere geht seit fünf Jahren immer weiter auseinander: Noch vor wenigen Jahren lag die Arbeitslosenquotendifferenz zwischen dem Norden und dem Süden bei 3,5 Punkten. Heute beträgt die Kluft 7,5 Prozentpunkte. In den kriselnden Südländern Griechenland, Spanien und Portugal sind fast 20 Prozent ohne Beschäftigung, im Norden, in Deutschland, Österreich und den Niederlanden, sind es ca. 5,5 %. Das kann aber auch den Norden nicht beruhigen, denn noch nie in den vergangenen 20 Jahren waren in der EU so viele Menschen arbeitslos: 11,8 Prozent sind nicht nur ein Alarmsignal, sondern stellen eine dringende Notwendigkeit ...

Und jetzt endlich: Afrika!

Seit Jahren steht China in allen wirtschaftspolitischen Betrachtungen als die „kommende Welt- und Wirtschaftsmacht Nummer 1“ im Mittelpunkt, werden seine Wachstumsraten teils bewundernd teils besorgt betrachtet, gilt nur noch China als Maßstab im Wettbewerb, etwa, wenn es darum geht, ob Deutschland oder eben China Exportweltmeister ist.  Hin und wieder lenkt eine Studie den Blick auch auf die weiteren „BRIC-Staaten“, also neben China auch auf Brasilien, Russland und Indien, und liegt damit natürlich richtig.Erst allmählich, aber teilweise dann durchaus schon mit Macht, rückt ein bisher – vor allem leider auch von Deutschland – vernachlässigter Kontinent in den Blickpunkt der westlichen Länder und ihrer Wirtschaftslenker: Afrika! Das „Handelsblatt“ rückte Afrika im Sommer 2012 in eine Reihe der „neuen Wachstumsstaaten“, und das amerikanische „TIME“- Magazin widmete Mitte Dezember 2012 sein Titelblatt dem „schwarzen Kontinent“ mit der Headline: „Africa Rising“ – und beschrieb Afr...

Harte Zeiten für Ein-Mann-Betriebe

„Machen Sie sich selbständig!“ So lautet oft die Aufforderung von Politik und Verbänden. „Werden Sie Ihr eigener Chef!“ So hört man die Lockrufe von Kammern und Mittelstands-Organisationen. Diese Rufe sind in den letzten zehn Jahren mehr und öfter erhört worden als jemals zuvor: Nach einer Mitte Februar vorgelegten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) erhöhte sich die Zahl der Ein-Mann-Betriebe in Deutschland vom Jahr 2000 bis 2011 um mehr als 40 Prozent: Von 1 832 000 auf ca. 2 600 000. Dieser Sprung in die Selbständigkeit hat zwar viele gute Seiten und durchaus auch Vorteile, aber für viele „Betroffene“ auch einige Enttäuschungen mit sich gebracht: Denn dieser Sprung in die Selbständigkeit hat nicht automatisch ein höheres Einkommen und eine sicherere Zukunft mit sich gebracht, sondern häufig das glatte Gegenteil: Laut der zitierten Studie sind die 2,6 Millionen Selbständigen besser qualifiziert als die Gesamtheit der Erwerbstätigen, aber nicht besser v...

Die „familienbezogenen Leistungen“ müssen zielgenauer werden!

In diesem Herbst haben einige Meldungen im Zusammenhang mit der Familienpolitik der Bunderegierung aufhorchen lassen: Das Familienministerium hat eine Liste mit den 160 ehe- und familienbezogenen Maßnahmen vorgelegt, für die im Jahr 2009 insgesamt die stolze Summe von 195 Milliarden Euro aufgewendet wurden. Die OECD hat mitgeteilt, dass Deutschland mehr Geld für jedes Kind ausgibt als die meisten anderen Staaten.Beide Meldungen mag man begrüßen, wenn denn nur die Ziele der doch sehr teuren Ehe-, Kinder- und Familienpolitik erreicht würden.Genau diese Ziele – mehr Kinder, bessere Bildung für diese, mehr Ehen und kinderreiche Familien – werden jedoch seit Jahrzehnten verfehlt: Deutschland ist das einzige Land, das sein niedriges Geburtenniveau – keine 1,4 Kinder je Frau – seit fast vierzig Jahren hält; trotz ständig steigender Ausgaben für Familie und Kinder. Deutschland ist auch dadurch zum ältesten Volk in der EU und nach Japan zum zweitältesten weltweit geworden.Kosten und Nutzen...

Die Zeitung ist tot! Es lebe die Zeitung, denn Zeitung ist Heimat!

Für leidenschaftliche Zeitungsleser und erst recht natürlich für die Macher dieser wunderbaren gedruckten Medien waren die letzten Wochen schmerzhaft: Mit der „Frankfurter Rundschau“ und der „Financial Times Deutschland“ sind innerhalb kurzer Zeit gleich zwei Renommierblätter vom Markt verschwunden. Und besonders schmerzlich: Sie waren die Spitze eines Eisbergs, die prominenten Vertreter einer Gattung, die in den letzten zehn Jahren enorme Verluste zu verzeichnen hatte: Dutzende Lokalblätter sind mehr oder weniger lautlos vom Markt verschwunden. Wenn diese Hiobsbotschaften etwas Symbolhaftes haben, dann als Weckruf an die Medienbranche, dass es nicht zu spät ist; und sie reagiert: Chefredakteur Gabor Steingart vom „Handelsblatt“ macht „drei unbequeme Wahrheiten“ für den Niedergang verantwortlich: Die Verleger haben die Kraft des Internets unterschätzt, als sie sich entschlossen, „die Waren Information und Analyse im Internet gratis feilzubieten – ein Jahrhundertirrtum“. Die Fo...

Der Armutsbericht taugt nicht für eine Gerechtigkeitsdebatte

Der nicht mit allen Ressorts abgestimmte Armutsbericht von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen mag zu vielerlei Diskussionen Anlass geben und für manch heftigen Schlagabtausch taugen, aber für eine Gerechtigkeitsdebatte ist er untauglich. Zunächst einmal ist bezeichnend, dass in den Medien nahezu ausschließlich darüber berichtet wurde, dass „die Reichen reicher geworden sind“, aber fast nirgends der zentrale Satz von Seite 3 des Berichts zu lesen war, der eigentlich die wertvollste Botschaft enthielt: Allen in Deutschland geht es besser. Nun ist es leicht, die Mehrheit der Bevölkerung auf seine Seite zu ziehen, wenn man den Reichen den Kampf ansagt. Das ist der Kampf gegen eine hierzulande wenig geschätzte Minderheit. Da hält man sich gerne voller Emotionen damit auf, dass diese 10 Prozent der „Reichen“ reicher geworden sind, und unterschlägt dabei genauso gerne, dass diese 10 Prozent mehr als 50 Prozent der Steuerlast tragen. Übrigens: Den Spitzensteuersatz zahlt man in De...

Für einen Verfassungskonvent!

Europa beschäftigt uns seit längerem mehr und emotionaler denn je. Selbst diejenigen, die sich nie sonderlich für Europa und Brüssel interessiert haben, und deshalb den Wahlen zum Europäischen Parlament eher fern blieben, reden plötzlich engagiert mit – aber ohne jede Wirkung, denn ein wirkliches Mitspracherecht bei all den anstehenden milliardenschweren Entscheidungen haben sie, hat „das Volk“, nicht.Es zieht sich schon lange hin, dass in den europäischen Hauptstädten und in der „Zentrale Europas“, Brüssel, Entscheidungen über Milliardentransfers getroffen werden, ohne dass wir, „das Volk“, ein Mitspracherecht dabei hätten. Ja, nicht einmal die Europaparlamentarier werden gefragt, auch die Bundestagsabgeordneten haben allenfalls ein „Absegnungsrecht“ zu dem, was zuvor Frau Merkel mit ihren europäischen Amtskollegen ausgehandelt hat, und die Bürgerinnen und Bürger, die Wähler, können jeweils aus den Medien erfahren, wie viel wo hin fließt, welche Rechte wieder „gedehnt“ wurden, u...