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Und trotzdem: Für den Euro!

Raus oder rein, zurück zur guten alten DM - nichts, was gegenwärtig rund um den Euro nicht diskutiert würde. So forderte z. B. Princeton-Professor Ashoka Mody am 20.7. im Handelsblatt, dass Deutschland „raus muss, weil davon alle in der Euro-Zone profitieren“. Es ist aktuell ziemlich „in“, den Euro in Frage zu stellen und ihn für alles, vor allem für alles Negative, für alles, was tatsächlich oder scheinbar schlecht läuft, verantwortlich zu machen: Der Euro wird für Konflikte, für hier und da aufkommendes nationales Denken, für Wertverlust und als Beleg für ein „halt doch zu großes Europa“ als „schuldig“ herangezogen. Manche Kritiker versteigen sich gar zu der Forderung, „die EU müsse zurückgestutzt werden, damit die Länder wieder frei atmen könnten, denn nur so könne der Frieden gewahrt werden“. Einspruch:  Das Gegenteil ist richtig! Ohne den Euro hätte der Frieden in der Vergangenheit schwer gewahrt werden können – und er könnte es in Zukunft noch weniger. Beweise: 199...

Die schwindende Einkommensmobilität schadet unserer Gesellschaft!

Während in den Medien ein „Auseinanderklaffen“ unserer Gesellschaft – „die Schere geht immer weiter auseinander“ – beklagt wird, einzelne Institute entgegen den Fakten lauthals beklagen, dass „die Reichen immer reicher werden“, und ebenso falsch wie hartnäckig behauptet wird, die Erosion der Mittelschicht schreite voran, wird eine Entwicklung weitgehend ausgeklammert, die für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft aber von entscheidender Bedeutung ist: die Einkommensmobilität ist in Deutschland ins Stocken geraten. Der Reihe nach: Nach Professor Bert Rürup, Berater des Bundeskanzlers Gerhard Schröder, Befürworter einer höheren Erbschaftsteuer und von daher unverdächtig, ein „Kapitalist“ zu sein, steht eindeutig fest: Für Deutschland gilt die Behauptung „immer ungleicher werdender Einkommen nicht: Denn in Deutschland entfällt auf das oberste Prozent der Haushalte der Einkommensskala heute nicht mehr vom Gesamteinkommen als 1950 – nämlich elf Prozent.“ Und auch die in den Medien ko...

Welcome Hillary!

Sie hat sich erklärt; endlich. Erwartet hat man es schon lange. Seit einigen Wochen ist nun klar: Die ehemalige First Lady und Ex-Außenministerin der Vereinigten Staaten von Amerika, die Ehefrau des mittlerweile fast schon legendären Ex-US-Präsidenten Bill Clinton und mit 67 Jahren mit allen Wassern gewaschene Hillary Clinton will die erste Präsidentin der nach wie vor einzigen Supermacht USA werden. Schafft sie den Sprung ins Weiße Haus, wofür ihre Chancen momentan recht gut stehen, steht sie der größten Volkswirtschaft der Welt vor, deren Unternehmen 2014 das Zehnfache der Gewinne aller deutschen Firmen erwirtschafteten, und sie befehligt dann  mehr als 1,4 Millionen Soldaten, 14 000 Flugzeuge, 300 Kriegsschiffe und 7 300 Atomsprengköpfe; da möchte man keine Anfängerin an den Schalthebeln sehen. Erfahrungsreichtum ist in diesen Zeiten der weltweit gestiegenen Zahl an Krisenherden ein „Pfund“, eine gute Nachricht. Denn Erfahrung ist gefragt wie nie; nicht nur in Einzelfra...

Die „andere“ Armut ist (noch) schmerzlicher

Armutsberichte gibt’s zuhauf. Sie unterscheiden sich allenfalls in Nuancen. Gemeinsam haben sie, dass sie in der Regel „nur“ auf Geld blicken, Wohlstand - oder eben den fehlenden - weit überwiegend daran festmachen, ob und wie viel Geld zur Verfügung steht. Seit 1950 führt das Statistische Bundesamt ziemlich präzise Buch darüber, was wir Deutschen uns leisten, und wie sich Kaufkraft und Inflationsrate entwickeln. Die Statistiker packen hierzu einen „Warenkorb“ mit den zu der jeweiligen „Einkaufszeit“ zeittypischen Gütern und Dienstleistungen. Da der Inhalt dieses „Warenkorbes“ immer wieder aktualisiert wird, sieht man, wie sich Einkommen, Kaufkraft, Lebensverhältnisse und auch unsere Ansprüche kontinuierlich verändert haben. In den 1960er Jahren - immerhin die Jahre des „Wirtschaftswunders“ - waren unter der Rubrik „langlebige Wirtschaftsgüter“ eine Nähmaschine, unter „Sport- und Campingartikeln“ die Luftmatratze und unter „Gemüse“ ausschließlich heimisches aufgeführt worden. Heut...

200 Jahre Bismarck – der „Reichsgründer“ schuf dauerhafte Reformen bis in die Gegenwart

Otto von Bismarck, der „eiserne Kanzler“, eine „der schillerndsten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte“, Vorbild des „spektakulären Außenpolitikers“ Henry Kissinger, „Kriegstreiber“, so Holger Afflerbach, nach Christian Staas „Realpolitiker“, Rudolf Augstein zufolge „ein Politiker mit kaltschnäuziger Größe“ und nach allgemeiner Schulbuchlehre der „Reichsgründer“, wurde am 1. April 1815, als Deutschland „ein Flickenteppich aus Einzelstaaten war“, in Schönhausen als zweiter Sohn des „über große Ländereien und Reichtum verfügenden“ Rittmeisters Karl Wilhelm Ferdinand von Bismarck und dessen aus einer angesehenen Gelehrtenfamilie stammenden Ehefrau Luise Wilhelmine in ein bedeutendes Adelsgeschlecht hinein geboren. Die unterschiedliche soziale Herkunft seiner Eltern hatte Auswirkungen auf Bismarcks Sozialisation, die Golo Mann grob wie folgt zusammenfasste: „Bildung, Klugheit, Ehrgeiz, Weltläufigkeit, Geschäftsgewandtheit mag man mit dem Milieu der Mutter in Zusammenhang bringen...

Viele - zu viele! - Unzufriedene mit der Demokratie

Ein Forscherteam der Freien Universität Berlin unter der Leitung von Professor Klaus Schroeder hat in diesen Tagen eine empirische Studie zum Linksextremismus vorgelegt, die von der Bundesregierung im Rahmen des Projektes „Initiative Demokratie stärken“ gefördert wurde. Auf 650 Seiten versuchen die Autoren, prägende „Gesellschafts- und Menschenbilder der linksextremen Szene“ herauszuarbeiten und zu untersuchen, wie hoch die Akzeptanz dieser Einstellungen im Rest der Bevölkerung ist. Dazu sind repräsentativ mehr als 1 360 Bürgerinnen und Bürger befragt worden. Die Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Studie sind beeindruckend und Besorgnis erregend zugleich; der Reihe nach: Das „linksextremistische Personenpotential“ liegt der Studie zufolge bei stolzen 17 Prozent der Bevölkerung, 14 Prozent im Westen und 28 Prozent im Osten. Diese Gruppe lehnt die wirtschaftliche und politische Ordnung der Bundesrepublik ziemlich deutlich ab. Besonders gravierend: Die Demokratie in Deutschland fin...

Deutschland befindet sich in einem gefährlichen Zufriedenheitsschlaf

Draghi wirft Billionen auf den Markt, die Schweiz überrascht mit der Aufgabe des festgezurrten Wechselkurses zum Euro, Griechenland hat gewählt, Davos ist ebenso vorüber wie das Gipfeltreffen der Weltmarktführer, aber eines blieb und bleibt gleich: Der deutsche Zufriedenheitsschlaf. Dieser ist so tief und fest, dass nichts dazu angetan scheint, die Deutschen aus ihrer (Selbst-) Zufriedenheit und aus ihrem Tiefschlaf aufzurütteln. Fast hat man den Eindruck: Im Gegenteil. Ob dies eine Folge des Ausblendens von offensichtlichen Risiken oder der mittlerweile nahezu schon provozierend zur Schau gestellten Satt- und Trägheit ist, ist egal; nicht egal aber ist, dass dieser Zufriedenheitsschlaf zunehmend gefährlich wird: Vor allem für die Schlafenden. Natürlich stimmen niedrige Energiepreise, historisch niedrige Zinsen, niedriger Euro-Kurs gegenüber dem Dollar und auch die historisch hohe Beschäftigungsquote in Deutschland optimistisch. Hinzu kommen Anerkennung und Lob von außen. Aber...